Wiesmann/Dürbeck: Grüne in Frankfurt scheinen sich einig - Bei ihren Prioritäten kommt Kultur halt weiter unten

Berlin/Frankfurt am Main, 01. September 2021 - In dem FNP-Interview mit den beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Römer wurde deutlich, dass Kultur für die größte Fraktion im Frankfurter Stadtparlament keine besondere Bedeutung hat. Schon jetzt ist klar, dass die Kultur in Frankfurt leiden wird.

Bettina Wiesmann, Bundestagsabgeordnete und -kandidatin für den Frankfurter Norden, Osten und Süden, ist erschüttert von den Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden Bakakis. Wiesmann hatte seit Ausbruch der Pandemie immer wieder mit Intendanten und Direktoren öffentlicher und privater Kulturhäuser das Gespräch gesucht und mitüberlegt, wie in der Pandemie am gezieltesten geholfen werden könne. Die Grünen sähen offenbar nicht, wie tiefgreifend die Auswirkungen von Corona für die Kultur in praktisch allen Sparten seien. Für Wiesmann sei klar, dass ohne ausreichende Finanzierung die gesellschaftliche Verankerung von Kultur überhaupt geschwächt werde, sei dies durch fehlende Darbietungen, durch schlechte Perspektiven für viele Künstler und Musiker oder durch schwindende Auseinandersetzung mit neuen und fremden Sichtweisen, die die Kultur zuhauf biete. „Jungen Schauspielern, Musikern, Sängern etc. wird hier die Perspektive genauso genommen wie dem gesellschaftlichen Diskurs die Substanz. Ein Armutszeugnis für die GRÜNEN in der Stadt von Goethe, den Schumanns, Paul Hindemith und Theodor W. Adorno.“

Wiesmann weiter: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für die Leichtfertigkeit, mit der jetzt die führende Fraktion der GRÜNEN einer für Frankfurt so wichtigen Szene bzw. Branche in ihrer schwersten Krise die Solidarität entziehen kann. Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters tut alles in ihrer Macht Stehende, um Theater, Kinos, Museen, Ensembles u.v.m. zu unterstützen, macht ihnen Mut, geht auf Forderungen ein, justiert finanzielle Hilfen nach. Nun wird den Kultureinrichtungen in Frankfurt erklärt, dass diejenigen, die am nächsten dran sind und am ehesten helfen könnten, kein Interesse daran haben, sie zu unterstützen.“

"Welches Bild hat Bakakis von Frankfurt? Und: Welche Außenwirkung soll sich daraus ergeben?", fragt sich Wiesmann. "Kultur ist ein Markenkern unserer Stadt. Von der Buchmesse über die vielen Museen und die Kunstvereine, die Theater, die Musik bis zu vielen Festivals und Initiativen. Das kann man doch nicht einfach für nachrangig erklären."

Dr. Thomas Dürbeck, Vorsitzender des Fachausschusses Kultur der CDU Frankfurt, meint: „Die Kultur darf nicht weiter unten stehen, sondern sie sollte oben stehen. Das schulden wir gerade den Künstlern, die in den letzten eineinhalb Jahren durch Corona erheblichen Beschränkungen ausgesetzt waren. Die Äußerung von Bakakis ist völlig empathielos und zeigt eine Gleichgültigkeit gegenüber Kunst und Kultur. Mich wundert nur, dass niemand von den Grünen, die sich doch sonst so kulturaffin geben, diesen Äußerungen widersprochen hat. Denn den KOA-Vertrag könnte man auch anders auslegen.“

Dort heißt es in Zeile 5638 bis 5642: „Bei den laufenden, also konsumtiven Ausgaben setzen wir ebenfalls klare Prioritäten in folgender Reihenfolge: Leistungen im Bereich Soziales und Gesundheit für die, die es brauchen, sowie die Behebung von strukturellen Benachteiligungen in den Bereichen Gleichberechtigung, Integration, Bildung und Teilhabe, außerdem generell Bildung und Betreuung und auch Kultur.“

„Alles nicht so gemeint? Wo bleiben die grünen Kulturpolitiker? Dabei dachten wir, dass die GRÜNEN die Zeiten, in denen sie forderten, die Kultur müsse bluten, überwunden hätten. Das Gegenteil ist offensichtlich der Fall“, stellen Wiesmann und Dürbeck ernüchtert fest.

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