Die Infrastruktur Frankfurter Schulen zeigt ein Frankfurt, dass schon lange nicht mehr existiert. Sie stammt aus einer Zeit, in der Jungs Matrosenanzüge trugen, Mädchen lange Kleider und in fast jedem Wohnzimmer ein Bild des Kaisers hing. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Gymnasien meist in den Stadtteilen zu finden sind, in denen das so genannte Bildungsbürgertum in wilhelminischer Zeit zuhause war: Westend, Nordend, Sachsenhausen, …
 

Für Stadtteile wie dem Gallus, dass zurzeit der vorletzten Jahrhundertwende ein Arbeiterstadtteil zwischen Adlerwerken, der späteren Telenorma, dem Ausbesserungswerk der Reichsbahn und des Güterbahnhofs war, hielt man damals eine Mittelschule als höchste weiterführende Schule für angemessen.
 
Fast 120 Jahre später hat sich daran nicht viel geändert. Zwar hat das Gallus nun mit der Paul-Hindemith-Schule eine Gesamtschule, doch können Schüler dort nur bis zur 10. Klasse unterrichtet werden und müssen danach in die bereits oben genannten weiterführenden Schulen fahren. Dabei tut sich doch einiges in unserem Stadtteil. Mit den Neubaugebieten Europaviertel und Rebstock ziehen neuen Bewohner in das Gallus. Allein im Europaviertel sollen einmal bis zu 10.000 Menschen Wohnen. Damit würde unser Stadtteil, der gegenwärtig rund 28.000 Einwohner hat noch mal um ¼ größer. Viele dieser Neubürger werden Familien haben oder welche gründen. Deshalb ist es klug und weitsichtig, sich bereits heute Gedanken darüber zu machen, wo deren Kinder einmal in die Schule gehen und welche Perspektiven sie haben werden.
 
Dies ist auch die Absicht des in der letzten Sitzung des Ortsbeirates 1 am 21. August 2012 verabschiedeten Antrags der CDU-, Grünen-, SPD- und Linkenfraktion. Darin wird der Magistrat gebeten zu prüfen und zu berichten, ob das Gebäude des der Paul-Hindemith-Schule gegenüberliegenden, ehemaligen Sozialrathauses in der Krifteler Straße und Teile des restlichen Areals für eine Oberstufe genutzt werden könnten. Im Detail sind folgende Fragen zu klären:
 
1. Ist das Areal, gegebenenfalls auch unter Einbeziehung des Verbindungsweges Frankenallee/Idsteiner Straße und des Spielplatzes im Süden und unter Berücksichtigung der vorhandenen Raumkapazitäten (jeweils 3 Fachräume für Chemie, Physik, Kunst und Musik, 2 Räume für Biologie, 3 Turnhallen, in denen 4 Sportgruppen parallel unterrichtet werden können, eine Schulbibliothek mit angeschlossener Stadtteilbibliothek, Schulhof) der benachbarten Integrierten Gesamtschule Paul-Hindemith-Schule ausreichend, um hier zukünftig neben den heute bestehenden Einrichtungen (Kinderzentrum, Kinderkrippe, Kinder- und Jugendhaus) auch die geplante Oberstufenschule unterzubringen?
 
2. Wäre die Fläche ohne Einbeziehung des Kinder- und/oder Jugendhauses ausreichend?
 
3. Wie viele Quadratmeter werden dazu gewonnen, wenn in die zu beplanende Fläche auch der Verbindungsweg zwischen Frankenallee und Idsteiner Straße und der Spielplatz im Süden eingebunden werden?
 
4. Kinderzentrum und Krippe müssten am Standort integriert werden, gilt dies aber auch für das Kinder- und Jugendhaus? Gibt es alternative Standorte (Europaviertel, Opel-Areal Mainzer Landstraße etc.)?
 
5. Die Integrierte Gesamtschule Paul-Hindemith-Schule wurde seinerzeit für ca. 1.100 Schüler ausgelegt. Heute besuchen die Schule ca. 600 Schülerinnen und Schüler. Obgleich die heutigen Raumberechnungen für die IGS gestiegen sind, stellt sich die Frage, wie viel Raum noch zur Verfügung steht, welcher von einer benachbarten Oberstufe mitgenutzt werden könnte. Hier werden genaue Angaben erbeten.
 
6. Die Paul-Hindemith-Schule besteht aus einem Neu- und Altbau. Kann der Neubau erweitert beziehungsweise aufgestockt werden?
 
7. Teilt der Magistrat die Auffassung des Ortsbeirates, dass ein Bildungscampus zukunftsweisend ist und weit über den Stadtteil hinaus richtungsweisend sein kann?

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